Abschied und Neuanfang

Mit Blaurock allzeit bereit

Karsten Wiebe wird als Gemeindebrandmeister in Wietze verabschiedet. Er wird nun Zugführer eines europäischen Pilotprojekts mit Schwerpunkt Waldbrandbekämpfung.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 26. März 2022 | 15:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 26. März 2022 | 15:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Wietze.

Nein, ans Aufhören denkt er nicht. Eher im Gegenteil: Wenn Karsten Wiebe zum Ende des Monats April als Gemeindebrandmeister in Wietze verabschiedet wird, bleibt er natürlich seiner Freiwilligen Feuerwehr Wietze treu. Mehr noch: Er wird Zugführer der „Ground Forest Fire Fighter with Vehicle (GFFFV)“-Einheit und damit Teil eines europäischen Pilotprojektes, das sich schwerpunktmäßig mit Waldbrandbekämpfung beschäftigt.

Als Dreizehnjähriger zur Jugendfeuerwehr

Eigentlich sei er durch die Bekanntschaft seines Vaters zum damaligen Gemeindebrandmeister Jürgen Anhalt zur Feuerwehr gekommen, erinnert sich Karsten Wiebe an seine ersten Kontakte zu den Blauröcken. „Das war ein Jahr nach Gründung der Jugendfeuerwehr, als ich im Oktober 1983 als Dreizehnjähriger dazukam. Das interessierte mich, und die Jugendarbeit war gut“, sagt Karsten Wiebe heute. Kein Wunder, dass er vier Jahre später zur „echten“ Feuerwehr übertrat und im Laufe der Zeit selbst Betreuer der Jugendfeuerwehr und 1991 zum Jugendwart gewählt wurde. „Von 1997 bis 2002 war ich als Gemeindejugendwart für die Arbeit aller vier Jugendwehren in den Ortsteilen Jeversen, Hornbostel, Wieckenberg und Wietze verantwortlich. Es braucht einfach immer einen Menschen, der antreibt, der Motor ist und der Leute um sich schart“, umreißt Wiebe Möglichkeiten zur Feuerwehrführung und Gruppenleitung. Diese Einstellung habe ihm immer geholfen. Und: „Nachwuchsarbeit ist wichtig, ohne Nachwuchs keine Zukunft.“

Löschwesen wurde modernisiert

Als sich 2003 andeutete, dass Jürgen Welker als Gemeindebrandmeister mit 62 Jahren in den Ruhestand gehen würde, wurde Wiebe ein Jahr zuvor zum stellvertretenden Gemeindebrandmeister gewählt: „Wir hatten ja in allen Ortswehren Ortsbrandmeister, die ihre Sache verstanden haben. Da habe ich mich breitschlagen lassen, die Stelle als Stellvertreter zu übernehmen: Ich mach' das.“ Ein Jahr später folgte seine Ernennung zum Gemeindebrandmeister.

Prozesse beschleunigt und Entscheidungen flexibler umgesetzt

Bereits im kommenden Haushaltsjahr führte die Gemeinde Wietze die Budgetierung für das Feuerlöschwesen ein: „Das war eine super Sache – für beide Seiten.“ So konnten Prozesse beschleunigt und Entscheidungen flexibler umgesetzt werden. „Wir waren immer zufrieden. Ich hab' so gehandelt wie ein Privatmann, habe also auf die zur Verfügung stehenden Mittel geachtet.“ Hinzu kam, dass für kostenpflichtige Einsätze Rechnungen geschrieben wurden, die mit in das Budget einflossen. „Ich war so immer Bindeglied zwischen der Gemeinde und den Ortsbrandmeistern.“ Und wenn gerade das Ausschreibungsverfahren für ein neues Tanklöschfahrzeug für die Ortswehr Wieckenberg läuft und das Fahrzeug in rund zwei Jahren ausgeliefert wird, ist es Wiebe gelungen, zehn der 13 Fahrzeuge der Ortswehren auszutauschen. „Da bin ich sehr zufrieden.“ Und wenn Wiebe weiter nachdenkt, hat sich das Löschwesen insgesamt modernisiert: Verbesserung der persönlichen Schutzausrüstung, digitale Alarmierung und Digitalfunk. „Ein wenig Technik begeistert eigentlich jeden und dann auch noch in Kameradschaft etwas Gutes für die Allgemeinheit zu tun – das ist Feuerwehr. Feuerwehr sei aber auch, da zu sein, wenn es um Unfälle und Verletzte oder gar Tote geht. „Das berührt jeden. Da ist unbedingt Aufarbeitung nötig.“ Da sei seelsorgerische Begleitung erforderlich.

Einsatzjacke immer im Kofferraum

Als sich in den 1960er Jahren das Erdölunternehmen DEA aus Wietze zurückzog, endete auch die Ära der DEA-Berufsfeuerwehr und es galt, eine Freiwillige Feuerwehr wieder aufzubauen, denn das Gefahrenpotenzial Wald bestand in unmittelbarer Nähe. Da war Karsten Wiebes Vater anfangs mit dabei, und so verwundert es nicht, dass er später seinem Sohn nahelegte, ebenfalls den Blaurock anzuziehen. „Nee, das hab ich nie bereut“, sagt Wiebe und zeigt auf seine Einsatzjacke im Kofferraum seines Autos. „Die bleibt da auch drin, wenn ich als Gemeindebrandmeister ausscheide. Ich bleibe ja weiterhin in der Feuerwehr und allzeit bereit …“

Chef eines Baugeschäftes

Wenn es die Freizeit zwischen dem Beruf als Chef eines Baugeschäftes mit 30 Mitarbeitern und den Ansprüchen der Familie erlaubt, liest Wiebe Fachliteratur – sowohl in Sachen Bau als auch in Sachen Feuerwehr.

Europaweit agierende Einsatztruppe

Bis 2019 war Karsten Wiebe auch Chef des 1. Zuges der Kreisfeuerwehr-Bereitschaft und hat somit insgesamt drei Elbehochwasser-Einsätze an verantwortlicher Stelle geleitet. Auch aufgrund dieser Erfahrungen ist er Zugführer der europaweit agierenden Einsatztruppe GFFFV (Ground Forest Fire Fighter with Vehicle), die in Wietze und Bonstorf sowie in Essel und Wietzendorf im Heidekreis stationiert sein wird, geworden. „Das ist ein modernes Fahrzeug speziell zur Waldbrandbekämpfung. Dazu gehört die zweifache Besatzung – alles sehr professionell“, beschreibt Wiebe das Projekt. „Das ist schon eine interessante Sache.“

Von Lothar H. Bluhm

Lebenslauf

1970

in Celle geboren und in Wietze aufgewachsen

1976 bis 1987

Grundschule Wietze und Hermann-Billung-Gymnasium Celle

1987/1988

Fachoberschule Technik in Celle

1988 bis 1991

Ausbildung zum Maurer in Bergen

1991 bis 1992

Grundwehrdienst in Scheuen

1992 bis 1996

Studium an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden; Abschluss als Diplom-Ingenieur (FH)

1996 bis 1999

Tätigkeit als Bauleiter in Verden

1997

Hochzeit mit Kerstin

1998 und 2002

Geburten der Kinder

1999 bis 2002

Bauleiter im elterlichen Betrieb in Wietze

2002

Übernahme des Baugeschäftes

Feuerwehrdienst

1983 Mitglied der neu gegründeten Jugendfeuerwehr in Wietze

1987 Übernahme in die Freiwillige Feuerwehr Wietze

1991 Jugendwart der Ortsfeuerwehr Wietze

1997 bis 2002 Gemeindejugendwart

1999 bis 2002 Stellvertretender Zugführer des 1. Zuges der Kreisfeuerwehr-Bereitschaft

2003 zunächst stellvertretender Gemeindebrandmeister, seit 2004 Gemeindebrandmeister

Voraussichtlich zum 1. Mai 2022: Entlassung als Gemeindebrandmeister

Zugführer der „Ground Forest Fire Fighter with Vehicle (GFFFV)“

Von