Markus Duwe

Das ist Celles neuer Kreishandwerksmeister

Der neue Celler Kreishandwerksmeister Markus Duwe ist in der elterlichen Tischlerei groß geworden. Für ihn gehört ein Ehrenamt einfach dazu.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 18. Juni 2022 | 11:00 Uhr
  • 21. Juni 2022
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  • 18. Juni 2022 | 11:00 Uhr
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Neuenhäusen.

Dass für den Celler Markus Duwe Ehrenämter wichtig sind, beweist er immer wieder: Nicht nur im Beruf nimmt er seit Jahren Ehrenämter wahr, auch privat engagiert er sich. So wird er demnächst als Löschmeister und Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Hustedt Teil eines europäischen Pilotprojektes, das sich schwerpunktmäßig mit Waldbrandbekämpfung beschäftigt. „Ground Forest Fire Fighting Using Vehicles (GFFF-V)“ heißt die Einheit, die gerade aufgebaut wird und die Innenminister Boris Pistorius mit auf den Weg gebracht hat.

In mehreren Bereichen aktiv

Leider nehme in der Bevölkerung die Bereitschaft zur Übernahme eines Ehrenamtes immer mehr ab, bedauert der 51-jährige Duwe: „Wer sich engagiert, ist häufig in mehreren Bereichen aktiv“, sagt er. Dabei gehöre ein Ehrenamt einfach dazu, meint der frisch gebackene Kreishandwerksmeister. „Das Ehrenamt ist unheimlich wichtig!“ Während der Obermeisterversammlung der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide ist Tischlermeister Markus Duwe kürzlich zum neuen Kreishandwerksmeister für den Landkreis Celle gewählt worden. Das ist ein Ehrenamt. Bereits seit 2015 ist Duwe stellvertretender Obermeister der Tischler-Innung Celle. Im Vorstand der Innung ist er bereits seit 2001 aktiv. Natürlich erfordere ein Ehrenamt Zeit, sagt Duwe, aber etliche Bereiche würden ohne Freiwillige gar nicht funktionieren. So hat sich Markus Duwe zusammen mit seiner Frau Corinna seit 2008 über zehn Jahre lang auch im Schulverein der Schule ihres Sohnes, der Paul-Klee-Schule Celle, im Vorstand engagiert.

Holztechnik genau das richtige für Duwe

Den Duft von Holz hat Markus Duwe schon lange in der Nase, denn er ist in der elterlichen Tischlerei groß geworden, die auch schon sein Großvater Paul Weber geführt hat. Kein Wunder, dass er sich mit 13 Jahren der Waldjugend anschloss und Naturschutz und Nachhaltigkeit für ihn bedeutend wurden. Kein Wunder auch, dass er sich nach dem Erweiterten Realschulabschluss für das Berufsgrundbildungsjahr Holztechnik in der Axel-Bruns-Schule entschloss. „Das war genau das Richtige für mich, denn den Bezug zur Praxis hatte ich bereits von zu Hause aus.“

Mit Werkzeugen umgehen als Kind gelernt

Schon als Kind lernte er, mit den Werkzeugen umzugehen und Unfälle zu vermeiden. Noch heute ist der Warnspruch „Hast Du die Schutzvorrichtung angebracht ? – Deine Finger wachsen nicht nach!!“ in der Werkstatt für jeden gut lesbar. Für Meister, Gesellen, Auszubildende und Praktikanten. „Ja, den hat mein Großvater schreiben lassen – als Mahnung an alle Mitarbeiter.“

Auftragsrückgänge bedeuteten Belastung

Seit 1884 existiert der Betrieb an der Jägerstraße – versteckt auf dem Hof und von der Straße kaum einsehbar. Lediglich eine stilisierte Holztreppe am Vorderhaus deutet auf den Handwerksbetrieb hin. „Mein Vater hatte seinerzeit sehr viele öffentliche Aufträge, von Schwimmbädern, Kindergärten und Schulen bis zur Musikhochschule Hannover oder dem Badeland am Allerpark in Wolfsburg.“ Dazu musste Duwe Senior viel Personal vorhalten, das bei Auftragsrückgängen eine unternehmerische Belastung bedeutete. Ein ständiger Termindruck herrschte im Betrieb.

Qualifiziertes Personal ist erforderlich

„1995 machten wir dann einen Schnitt: Altgeselle Andreas Goldschmidt und ich übernahmen den Grundstock des Betriebes und strukturierten um.“ Duwe selbst absolvierte die Meisterschule. „Uns war am Anfang wichtig, dass wir nur Aufträge übernehmen, die wir auch zu zweit schaffen konnten“, umreißt Duwe das Konzept. Altbausanierung, individueller Innenausbau, Arbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden, Renovierung von historischen Fenstern und Haustüren. „Wir haben die Haesler-Häuser im Italienischen Garten mitsaniert oder auch neue Fenster für das Mädchenhaus der ehemaligen israelitischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem gefertigt“, nennt Duwe Beispiele. „200 Jahre alte Fenster erfordern eine besondere Sorgfalt“, beschreibt der Tischlermeister die speziellen Ansprüche der Auftraggeber und des Denkmalschutzes. Da sei auch qualifiziertes Personal erforderlich. Zurzeit sind sechs Gesellinnen und Gesellen und drei Auszubildende in dem Unternehmen beschäftigt.

Berufsbild des Tischlers wandelt sich

Stichwort Fachkräftemangel: „Es ist schon schwierig, gute Gesellen zu finden, obwohl im Tischlerhandwerk viel ausgebildet wird und das Berufsbild des Tischlers ein gutes Image hat.“ Der Beruf eines Tischlers heute habe nicht mehr viel mit den Hobelspänen eines Meisters Eder aus der Fernsehserie zu tun. „Das Berufsbild wandelt sich, Digitalisierung und CNC-Technik haben längst Einzug gehalten“, skizziert Duwe das aktuelle Berufsbild und wirbt für den Handwerksberuf: „Das ist eine ganz andere Erfüllung als ein Job im Büro.“ Nachhaltigkeit werde bei Tischlern und anderen Handwerkern groß geschrieben, denn es werden Produkte hergestellt oder auch repariert, die Generationen überdauern. „Zum Beispiel Celles Fachwerkhäuser: Nachhaltiger geht es eigentlich nicht.“

An Arbeit des Vorgängers anknüpfen

Das zu vermitteln, für das Handwerk und die Handwerksberufe zu werben und die Interessen der Innungen zu vertreten sieht Markus Duwe auch als Aufgabe des Kreishandwerksmeisters. „Mein Vorgänger Ernst-Heinrich Ahrens hat in den vergangenen 16 Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Daran möchte ich anknüpfen und noch stärker in Schulen um Nachwuchs für das Handwerk werben. – Für das Handwerk und das Ehrenamt!“

Fotoapparat beim Wandern immer dabei

Markus Duwe ist mit Corinna verheiratet, sie ist Keramikerin und Diplom-Sozialpädagogin und arbeitet im Heidekreis. Sie haben zwei Kinder. Die Tochter studiert Medizin in Chemnitz, der Sohn verstarb 2018. Als Ausgleich zum Arbeitsalltag gehen Markus und Corinna Duwe gern in der Natur wandern, in der Heide, in den Alpen oder im nahegelegenen Harz. Der Fotoapparat ist immer mit dabei.

Von Lothar H. Bluhm

lebenslauf

1970

in Celle als jüngstes von drei Kindern geboren und aufgewachsen

1976 bis 1987

Besuch der Altstädter Schule, der Orientierungsstufe Burgstraße und des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums Celle

1987 bis 1990

BerufsgrundbildungsjahrHolztechnik, anschließendTischler-Ausbildung in Eicklingen und im elterlichen Betrieb

1990 bis 1991

Zivildienst in der Lebenshilfe Celle

1991 bis 1995

Tischlergeselle im elterlichen Betrieb

1995

Übernahme des elterlichen Betriebes und Firmenneugründung gemeinsam mit Altgeselle Andreas Goldschmidt

1998

Absolvieren der MeisterprüfungHochzeit mit Corinna

1998 und 2002

Geburten der Kinder Johanna und Paul Niklas

2018

Umfirmierung des Betriebes in Tischlerei Duwe & Goldschmidt GmbH

Ehrenämter

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