Caf Libelle wird 30

Margarete Howe lebt für die Gastronomie

Seit 30 Jahren betreibt Margarete Howe aus Hassel das Caf Libelle. Zum runden Geburtstag stellt die 80-Jährige den Betrieb um.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 11. Dez. 2021 | 15:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 11. Dez. 2021 | 15:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Hassel.

„Die Gastronomie ist mein ganzes Leben,“ sagt Margarete Howe aus Hassel, wo sie das Caf Libelle betreibt. In wenigen Tagen feiert sie ihr 30-jähriges Geschäftsjubiläum mit einem gemütlichen Adventsnachmittag und stellt gleichzeitig ihren Betrieb um. Dennoch muss in Zukunft niemand auf Howes köstliche Torten und Kuchen verzichten.

Am zweiten Advent im Jahr 1991 hat Margarete Howe die Caf-Pension Libelle eröffnet. Der Weg dorthin führte über verschiedenste gastronomische Stationen und war indes nicht immer leicht. Nach ihrer Lehre als Hotel- und Gaststättenfachfrau in einem großen Hotel-Restaurant in Wolfsburg verschlug es Howe in den Landkreis Celle, wo sie sich zunächst der Betreuung ihrer Familie und der Erziehung der zwei Töchter widmete. Danach war sie 13 Jahre lang im Hotel Heidehof tätig. „Angefangen habe ich dort als Restaurantfachfrau, aufgehört habe ich als Hausdame,“ blickt sie auf ihren erfolgreichen Werdegang zurück.

In diesen 13 Jahren hat Howe auch allerlei Skurriles erlebt. Eine Geschichte ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir hatten eine Firma zu Gast, die in dem Hotel getagt hat. An einem schwülen Abend traf ich spätabends auf der Kegelbahn des Hauses einen großen Mann an, der nach einigen großen Bieren und Jubiläumsaquavit einen anderen Mann schüttelte.“ Die Szenerie war kurios – umso überraschter war Howe, als sie am nächsten Abend genau dasselbe Bild vorfand und sich schließlich einmischte, um ihren Gast zu beschützen. „Es stellte sich heraus, dass der Mann der Chef der Firma war. Er war beeindruckt und sagte ‚So hätten Sie gestern schon sein müssen!‘“

Howes Einsatz für ihre Gäste war immer groß. „Ich hatte meine Gäste immer gern,“ sagt sie. „Wer hier in das Haus kommt, der steht für diese Zeit unter meinem Schutz und ist gern gesehen.“ Daher zögerte sie nicht lange, als sie vom Verkauf des Hotels Grünewald hörte. „Es war Liebe auf den ersten Blick,“ denkt Howe zurück. Zunächst pachtete sie das Gebäude und brachte alles auf Vordermann. „Ich habe einen kaputten Laden übernommen und sehr viel Arbeit investiert, um die Gastronomie und das Hotel aufzubauen.“ Dazu wurden 12 Morgen Acker und Wiese gekauft, Haus und Scheune aufgebaut oder saniert. Dennoch sollte die Geschichte um die Hotel-Gaststätte Grünewald kein schönes Ende nehmen. Als es nur drei Jahre später zum endgültigen Verkauf kam, wurde Howe überboten, sodass sie die Früchte ihrer Arbeit nicht ernten konnte.

Doch Margarete Howe hat sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen lassen und entschloss sich, in Hassel eine eigene Pension und ein Caf zu errichten. Im Juni 1991 begannen die Bauarbeiten, woran sich Howe noch gut erinnern kann. „Auf dem Grundstück sollte ausgeschachtet werden. Ich kam ein bisschen zu spät, weil ich davor einen Termin beim Dekorateur gehabt habe. An diesem Tag habe ich die Gardinen ausgesucht. Man sagte mir, ich könne doch nicht schon die Gardinen aussuchen, obwohl noch nicht mal mit dem Hausbau begonnen wurde – doch ich war mir ganz sicher.“

Dabei war und ist Margarete Howe bis heute eine Frau, die die Dinge selbst in die Hand nimmt. „Ich erinnere mich noch daran, wie der damalige Installateur trotz eines vereinbarten Termins nicht auftauchte.“ Kurzerhand fuhr Howe los. Auf dem eigenen Hof des Installateurs traf sie selbigen an, der dort mit seinen Mitarbeitern seinen Hof pflasterte. Nach der freundlichen Erinnerung, dass es sich bei ihrem Auftrag um einen Terminbau handele und es teuer für ihn werden könne, wenn er nicht rechtzeitig fertig würde, tauchte die gesamte Gruppe nur wenig später auf ihrer Baustelle auf, um die dortigen Arbeiten fortzusetzen. Am 15. Dezember 1991, nur wenige Monate nach Baubeginn, konnte das Caf Libelle eröffnen.

Nummern für den Kuchenverkauf

Seitdem erweist sich das Caf als Gästemagnet. „Das war eine Rakete,“ erinnert sich Howe, „zeitweise mussten wir bei unserem Kuchenverkauf außer Haus sogar Nummern vergeben.“ Tagein, tagaus war Howe für ihre Gäste da. Jeder Tag begann für sie bereits um drei oder halb vier Uhr morgens. Das Frühstück für die Hausgäste war dabei nur ein Punkt auf der Tagesordnung. Im Anschluss wurden je nach Auftragslage zwischen drei und zehn Torten und Kuchen gefertigt, der Haushalt erledigt und nachmittags Gäste bewirtet. Zusätzlich gab es Familienfeiern und saisonale Feste. Allmählich erfolgte dann die Umstellung von der Komplettgastronomie zum Cafbetrieb. Eines ist jedoch bis heute geblieben: Alle Rezepte sind hausgemacht und zu einem großen Teil selbst kreiert, das meiste hat Howe sich selbst beigebracht.

Alle Gäste sind bei Margarete Howe gut aufgehoben. Das geht sogar so weit, dass sie dem ein oder anderen Stammgast auch schon das Leben gerettet hat. „Wir hatten einen Stammgast aus einem anderen Landkreis, der kam zunächst mit seiner Frau und seiner Mutter, dann nur noch mit seiner Mutter und schließlich allein. Er aß unheimlich gerne Kartoffelpuffer.“ Aus eben diesem Grund rief Howe eines Tages bei ihm an, um ihn zum Kartoffelpufferessen einzuladen, doch er war lange Zeit nicht erreichbar. Schließlich hatte sie Glück: Der Hörer wurde abgenommen, doch ihr Stammgast konnte nur noch unverständlich sprechen. „Ich habe ihm klargemacht, er müsse unbedingt die Tür aufmachen und dann habe ich Rettungsdienst und Polizei alarmiert.“

Durch diesen Umstand konnte ihrem Stammgast das Leben gerettet werden. Nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt, während dem Howe den Gast jeden Tag besuchte, holte sie ihn in ein nahegelegenes Pflegeheim und kümmerte sich auch weiterhin um ihn.

Einem Stammgast das Leben gerettet

Traditionell würde am kommenden Adventswochenende nun Howes jährlicher Adventsnachmittag stattfinden, der von vielen Gästen als der kleinste Weihnachtsmarkt im Landkreis Celle bezeichnet wird, stattfinden. Diese Tradition entwickelte sich aus dem Sülzer Weihnachtsmarkt, bei dem Howe mit ihrer Familie jedes Jahr Kekse und Kuchen verkaufte. „Irgendwann konnte dieser Markt nicht mehr organisiert werden. Im Jahr darauf haben wir dann einfach das Datum übernommen und im und um das Caf Libelle einen kleinen Weihnachtsmarkt veranstaltet.“

In diesem Jahr wird es keinen Weihnachtsmarkt geben, doch Howe und ihre Familie veranstalten trotzdem am 12.12. unter den aktuell geltenden Bedingungen einen gemütlichen Adventsnachmittag im Caf Libelle mit einem zusätzlichen Zelt für die Außengastronomie, in dem es dann die berühmte Gulaschsuppe, Glühwein, heiße Schokolade, Kekse und mehr geben wird. Für Margarete Howe wird es ein kleiner Abschied von der Gastronomie, denn mit ihrem Jubiläum stellt sie den Cafbetrieb um. Torten wird es fortan nur noch auf Bestellung zu kaufen geben. „Einen Schlussstrich muss ich sowieso irgendwann ziehen,“ sagt Howe. „Dann lieber jetzt auf selbstbestimmte Weise. Ich möchte nicht, dass die Qualität irgendwann nachlässt oder ich meine Gäste nicht mehr bewirten kann.“

Eines ist jedoch sicher: Die Liebe für ihre Gäste und die Gastronomie wird immer bleiben. Stefanie Franke

Von Stefanie Franke

lebenslauf

Datum

Text

Datum

Text

Datum

Text

Datum

Text

Datum

Text

Datum

Text

Datum

Text

Datum

Text

Von