Seit 25 Jahren in Kapelle

Mit Leib und Seele Musiker

Bernd Abraham hat viele Interessen. Besonders engagiert sich der mittlerweile in Meißendorf wohnende Mann aber für die Feuerwehrkapelle Oppershausen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 23. Nov. 2021 | 21:54 Uhr
  • 12. Juni 2022
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  • 23. Nov. 2021 | 21:54 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Meißendorf.

Das ist Balsam für die Seele, wenn du zwei Stunden Musik machst und anschließend mit einem ‚Ohrwurm‘ nach Hause fährst“, so Bernd Abraham, der alle zwei Wochen zum Übungsabend nach Oppershausen aufbricht. Nichts Ungewöhnliches, wenn man gebürtig aus Oppershausen stammt, aber doch eine starke Leistung, wenn man mittlerweile in Meißendorf wohnt. Natürlich ist Abraham so auch immer über das Dorfgeschehen im Heimatort unterrichtet, aber diese Neuigkeiten könnte er sich auch anderweitig besorgen. So muss es wohl doch die Gemeinschaft der Feuerwehrkapelle sein, die Abraham alle zwei Wochen zum Probeabend nach Oppershausen aufbrechen lässt.

Die 1926 gegründete Kapelle stand 70 Jahre später, also 1996, fast vor dem Aus. Sechs bis sieben Mitglieder – das war zu wenig, um Musik zu machen und Auftritte zu meistern. Doch Abraham und seine Mitstreiter blieben „am Ball“, besser „am Instrument“, und ließen sich nicht unterkriegen. Heute zählt die Feuerwehrkapelle Oppershausen (FWKO) ungefähr 32 Mitglieder, und auch die lange coronabedingte Pause hat zu keinem Mitgliederschwund geführt.

Diverse Auftritte auf dem Programm

Man kann die Kapelle für ein Ständchen zu einem runden Geburtstag oder anderen Festivitäten „mieten“, doch das Hauptaugenmerk liegt natürlich bei den Dorffesten. Aber auch zur Advents- und Weihnachtszeit gehören Auftritte zu ihrem Alltag. Auch bei Neujahrsempfängen, Jahreshauptversammlungen, beim Volkstrauertag oder bei Laternenumzügen sind die FWKO-Musiker „gerngehörte“ Gäste. So auch die seit 2005 jährlich stattfindenden Konzerte zur Weihnachtszeit auf dem Dorfplatz in Meißendorf. Und am 3. Advent wird in Oppershausen von Laterne zu Laterne „gezogen“, Weihnachtslieder werden gespielt, die Dorfbewohner liefern Essen und Trinken. Und auch in Meißendorf kann man die Kapelle nach zweijähriger Zwangspause wieder erleben. Am 5. Dezember gibt es mit den Meißendorfer Bürgern um 17 Uhr ein gemeinsames Weihnachtslieder-Singen auf dem Dorfplatz.

Auftritte stärken Gemeinschaftsgefühl

Aber auch Treffen mit anderen Musikgruppen wie den Celler Knappen oder dem Escheder Musikzug finden statt, und natürlich darf alle zwei Jahre eine dreitägige Jahresfahrt mit Partnern und dem Fanclub FWKO nicht fehlen; die letzte gemeinsame Unternehmung führte sie nach Halle an der Saale. Und egal, wo man gerade ist, die Instrumente werden ausgepackt, und es wird spontan Musik gemacht. Alles tolle Sachen für die Freude, für die Zuhörer, für die Gemeinschaft. Aber ein Highlight war sicherlich die Teilnahme an der Steubenparade in New York.

36 Musiker der Kreisfeuerwehrmusik, darunter allein 12 Musiker aus Oppershausen, nahmen daran teil. Ein exakt getaktetes Spektakel mit Gang über den roten Teppich. Unvergessen der Besuch von „Ground Zero“, ausgerechnet im September. Die Reise fand 2019 statt, als Reisen noch problemlos möglich war.

Auch das Schützenfest in Oppershausen im selben Jahr war ein Highlight für Abraham. Er durfte als „Britzmeister“ vorne weg marschieren. Was ist ein Britzmeister? So genau kann Abraham es auch nicht erklären – „ein Britzmeister eben“ – und „spendiert“ ein Foto mit ihm als Britzmeister.

2020 wurde Abraham zum Kapellenkönig ernannt. Dafür muss man alle Termine des Jahres wahrgenommen haben. Ein Wanderpokal ziert seitdem die Vitrine, und natürlich gibt es eine Scheibe wie bei einem Schützenkönig. So schön die Auszeichnung, so ungünstig das Datum: Alle Feierlichkeiten waren untersagt.

Höhepunkt: Wahl zum Kapellenkönig

Doch 2021 ließen es die Corona-Maßnahmen zu, ein Oktoberfest im heimischen Garten zu organisieren. Schließlich beging Abraham auch sein silbernes Jubiläum als FWKO-Mitglied. Und wie die Norddeutschen so sind: Alle kamen in Tracht, in Lederhose und Dirndl. Und es wurde natürlich aufgespielt. Es gab den „Präsentiermarsch“ beim Befestigen der Scheibe an der Hauswand sowie „Sag Dankeschön mit roten Rosen“ für den Ehrentanz. Zwei der Musiker gaben sogar den von Abraham ausgewählten „Alm-Jodler“ zum Besten.

Abraham hat nicht etwa schon als Kind mit dem Trompetenspielen angefangen, sondern startete seine „Karriere“ 1996 bei der Feuerwehrkapelle. Er spielt die erste Flügelhornstimme. Wird auch geübt, wenn die Familie zu Hause ist? „Ja, gerne! Wenn man nur alle zwei Wochen an den Übungsabenden spielen würde, verliert man den Ansatz, die Umgangsart mit dem Mundstück des Blasinstruments.“ Jeder Musiker weiß, wie recht er doch hat. Es ist wie Sport, regelmäßiges Üben verstärkt die Muskulatur. „Aber unsere Katze haut dann ab!“

Auch der dicke Ordner, in dem akribisch alles über die Feuerwehrkapelle gesammelt wird, gehört zu Abrahams Hobby. Hier ein Foto eines Auftritts, noch nicht in digitaler Form, dann wieder eine Tabelle mit allen verfügbaren Stücken. Eine Tabelle, die, obwohl schon sehr lang, noch nicht vollständig ist. Dann auch aussortierte Noten, die vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Verwendung finden. Er ist wirklich mit Leib und Seele dabei.

Viele Aktivitäten neben der Musik

Und sonst so? Neben der Arbeit im Familienbetrieb als Betriebsleiter hat sich Abraham seit 2014 dem Joggen verschrieben. „Aber nur Halbmarathon“, so seine Worte. Sind aber auch 21 Kilometer, also nichts für Ungeübte. Und dann ist da noch das Mountainbiken. Die letzte Tour in Südtirol zusammen mit Sohn Tim und anderen Freunden als „Männerrunde“. Auch dafür muss trainiert werden. Das gemeinsame Hobby der Eheleute ist das Campen. Der Wohnwagen steht dauerhaft im Harz und gleich nach dem Interview geht es wieder zurück zum Wandern.

Weitere Aktivitäten gibt‘s aber auch daheim: großes Haus, großes Grundstück, zwei Kinder. Pavillonbau als Coronaprojekt. Eigene Ideen, aus alten Materialien etwas Neues entstehen zu lassen. Langeweile? Ein Fremdwort. Aber keine übertriebene Hektik, sondern viel Freude an den Dingen, die er tut.

Und die nächsten Jubiläen stehen schon bevor: 2022 die 25-jährige Betriebszugehörigkeit, 2027 die Silberhochzeit. Die magische Zahl 25 wird nur durch eine andere Zahl „überboten“: 2026 besteht die Feuerwehrkapelle Oppershausen 100 Jahre.

Von Kirsten Pröve-May

lebenslauf

1970

Geburtstag am 5. August

1996

Eintritt in die Feuerwehrkapelle Oppershausen

1997

Beschäftigungsbeginn im Familienbetrieb

2002

Hochzeit mit Ehefrau Stefani

2003

Geburt von Tochter Alina

2004

Umzug von Hambühren nach Meißendorf

2005

Geburt von Sohn Tim

2014

Start der Laufkarriere

2019

„Britzmeister“

2020

Kapellenkönig

2021

25-jährige Mitgliedschaft bei der Feuerwehrkapelle

Von