Kritik an Übernahme

Ankerkraut-Nestl-Deal: Geschäft mit Gewürzen

Ein Bekannter bunkert Gewürze im Wert von 500 Euro. Sind Pfeffer und Safran die besseren Kapital-Anlagen als Aktien? Eine Glosse von Katharina Baumgartner.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 18. Mai 2022 | 07:56 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 18. Mai 2022 | 07:56 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Die Inflationsrate steigt. Also wohin mit den paar Moneten, die man hat? In Aktien, Bitcoins oder doch in Gold machen? Ein Bekannter scheint ein anderes Anlage-Konzept zu verfolgen: Er investiert in Gewürze. Drei Schubladen sind pickepacke voll mit den bekannten Korkengläsern. Hochgerechnet hat der Hobbykoch Gewürze und Tees der Trendmarke Ankerkraut im Wert von nahezu 500 Euro in seiner Küche gebunkert.

Hype um Gewürz-Unternehmen aus Vox-Sendung "Höhle der Löwen"

Ich verstehe diesen Hype um Ankerkraut nicht. Allein mehr als 45 Varianten von Salz listet das Hamburger Unternehmen im Onlineshop auf. Wenn ich koche, nutze ich schnödes, einfaches Salz. Kein Bambussalz, nicht Schwarzes Hawaiisalz, weder Pink Saltflakes noch das Pyramidensalz „Grubengold“ und erst recht nicht das Afrikanische Perlensalz.

Ankerkraut gibt sich nachhaltig und verantwortungsbewusst

Mit hippen, nachhaltigen Produkten und dank eines TV-Auftritts hat sich die Gewürzmanufaktur zum millionenschweren Unternehmen gemacht. Ankerkraut findet sich ganz schön dufte und kokettiert mit eigenen „Werten“ und der „Verantwortung gegenüber den Menschen, die unsere Gewürze so lieben, und gegenüber unserer Welt und den Lebewesen, die sie bewohnen“.

Hamburger Manufaktur hat sich von Nestl kaufen lassen

Stößt einem aber schon etwas sauer auf, wenn sich so ein „bewusstes“ Unternehmen an Nestl verkauft. Nestl – da war doch was? Richtig, der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, dem seit Jahren vorgeworfen wird, in armen Ländern das Grundwasser abzupumpen, um es anschließend den Menschen in der jeweiligen Region wieder teuer zu verkaufen.

Shitstorm nach Übernahme

Ein Sturm der Entrüstung ist über Ankerkraut ausgebrochen: Die Unternehmenswerte seien verkauft worden, man unterstütze ein Schurken-Unternehmen und Influencer riefen zum Boykott auf. Scharfe Kritik übt auch mein Gewürz-Anleger, denn statt gepfefferter Rendite hat alles nun für ihn nur noch einen faden Beigeschmack. Er – und sicherlich viele andere Käufer – haben eine Entscheidung getroffen: Ankerkraut, du kannst bleiben, wo der Pfeffer wächst.

Von Katharina Baumgartner

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